You are currently viewing Gesetz der Anziehung: Funktioniert das wirklich?

Gesetz der Anziehung: Funktioniert das wirklich?

Kennst Du das? Du entscheidest Dich für ein bestimmtes Auto. Und ab dem Tag siehst Du dieses Auto überall. In der Tiefgarage, an der Ampel, vor dem Supermarkt. Als hätte die Welt über Nacht beschlossen, Dir Deinen Wunsch vor die Nase zu halten.

Genau dieses Erlebnis ist der Grund, warum Millionen Menschen an das Gesetz der Anziehung glauben. Und es ist gleichzeitig der Grund, warum es nicht so funktioniert, wie es meistens erzählt wird.

Ich habe zu diesem Thema vor über zehn Jahren einen Artikel auf diesem Blog veröffentlicht. Damals habe ich das alles unterschrieben: Gedanken erzeugen Energiefelder, das Herz strahlt über Kilometer, wir können unsere DNA durch Gefühle verändern. Es klang gut. Es fühlte sich gut an.

Heute lese ich diesen Text und zucke zusammen. Nicht weil das Thema Unsinn wäre. Sondern weil die Erklärung falsch war und die guten Teile darunter begraben lagen.

Also nochmal von vorn… ehrlich diesmal.

Warum das Auto plötzlich überall steht

Dein Gehirn bekommt jede Sekunde mehr Reize, als es verarbeiten kann. Also filtert es. Permanent. Alles, was Du für unwichtig hältst, fällt raus, bevor es Dir überhaupt bewusst wird.

In dem Moment, in dem Du Dich für das Auto entscheidest, änderst Du den Filter. Das Auto war vorher genauso oft auf der Strasse. Verändert hat sich nicht die Welt. Verändert hat sich, was Du siehst.

Die Psychologie nennt das selektive Wahrnehmung, im Volksmund heisst es Frequenzillusion. Und sie erklärt fast alles, was Menschen als „Anziehung“ erleben.

Du beschäftigst Dich mit einer Geschäftsidee… plötzlich sind überall Gespräche, Artikel und Kontakte dazu. Du bist offen für eine neue Stelle… plötzlich fallen Dir Stellenanzeigen auf, die vorher unsichtbar waren.

Das ist kein Zufall. Das ist auch keine Magie. Das ist Dein Filter.

Leere Glaskugel auf einem hellen Fensterbrett im Tageslicht
Schön anzusehen und innen leer. Das gilt für manches Versprechen dieser Art. (Bild: KI-generiert)

Woher diese Idee eigentlich kommt

Bevor ich weitermache, lohnt sich ein Blick auf die Herkunft. Denn das Gesetz der Anziehung wirkt wie eine Erfindung des Internetzeitalters. Ist es aber überhaupt nicht.

Die Wurzeln liegen im 19. Jahrhundert, in einer amerikanischen Strömung, die sich Neugeist-Bewegung nannte, auf Englisch New Thought. Es ging um die Vorstellung, dass Geist und Gedanken unmittelbar auf die materielle Welt wirken. Eine Mischung aus Religion, früher Psychologie und dem grenzenlosen Optimismus jener Zeit.

1906 erscheint ein Buch von William Walker Atkinson mit dem Titel „Thought Vibration or the Law of Attraction in the Thought World“. Da steht der Begriff bereits im Titel. Vor über hundert Jahren.

1937 folgt Napoleon Hill mit „Denke nach und werde reich“, bis heute eines der meistverkauften Ratgeberbücher überhaupt. Hill behauptete, seine Erkenntnisse gingen auf Gespräche mit dem Stahlmagnaten Andrew Carnegie zurück. Historiker haben daran erhebliche Zweifel, Belege für diese Treffen fehlen. Das Buch wirkt trotzdem bis heute nach.

Stapel gebrauchter Ratgeberbuecher auf einem hellen Tisch am Fenster
Die Idee ist über hundert Jahre alt. Das allein macht sie weder richtig noch falsch. (Bild: KI-generiert)

Und dann kommt 2006 der grosse Durchbruch. Die australische Fernsehproduzentin Rhonda Byrne veröffentlicht Film und Buch „The Secret“. Das Ding verkauft sich zig Millionen Mal, Oprah Winfrey widmet ihm zwei Sendungen, und plötzlich kennt es jeder.

Warum erzähle ich Dir das? Weil es zeigt: Hier ist eine Idee seit über hundert Jahren im Umlauf, und Millionen Menschen finden darin etwas, das sie brauchen. Das kann man nicht mit einem Achselzucken abtun. Da steckt ein echtes Bedürfnis dahinter, und es lohnt sich, genauer hinzuschauen, was daran trägt.

Was ich damals geschrieben habe und was davon nicht stimmt

Ich will das nicht wegmoderieren, deswegen konkret. Diese Behauptungen standen in meinem alten Artikel:

„Das Herz sendet ein Energiefeld, das viele Kilometer weit wirkt.“
Das Herz erzeugt tatsächlich ein messbares elektromagnetisches Feld, ein EKG misst genau das. Aber dieses Feld fällt extrem schnell ab. Wenige Zentimeter neben dem Körper braucht es hochempfindliche Spezialgeräte in abgeschirmten Räumen. Kilometerweit wirkt da gar nichts.

„Gefühle verändern direkt unsere DNA.“
Hier steckt ein wahrer Kern drin, der aber völlig überdehnt wurde. Es gibt ernstzunehmende Forschung dazu, dass chronischer Stress über Jahre die Telomere beeinflusst, also die Schutzkappen der Chromosomen. Das ist etwas völlig anderes als „ein dankbarer Gedanke verlängert Deine DNA“. Aus einem langsamen biologischen Prozess wurde ein Zaubertrick gemacht.

„Atome bestehen nur aus Energie, also formen Gedanken Materie.“
Hier wird Quantenphysik als Begründung benutzt, wo sie nichts hergibt. Aus „Materie hat auf subatomarer Ebene Welleneigenschaften“ lässt sich nicht ableiten, dass sich mit dem richtigen Gefühl ein Haus herbeidenken lässt. Das eine hat mit dem anderen fachlich nichts zu tun.

Warum ist mir das wichtig? Weil solche Sätze eine Falle bauen. Wenn Erfolg angeblich reine Schwingung ist, dann ist Misserfolg automatisch Deine Schuld. Dann hast Du eben nicht fest genug geglaubt. Das ist keine Ermutigung. Das ist eine ziemlich grausame Logik, und ich habe sie damals mitverbreitet.

Wanderweg zu einem sonnigen Gipfel, ein Felsblock versperrt den Weg im Vordergrund
Ziel und Hindernis im selben Bild. Genau das ist der Unterschied, der wirkt. (Bild: KI-generiert)

Was die Forschung über Erwartung tatsächlich weiss

Und jetzt wird es spannend. Denn die Wissenschaft sagt keineswegs, dass Erwartungen wirkungslos sind. Im Gegenteil.

Das bekannteste Beispiel ist der Placebo-Effekt. Menschen bekommen ein Medikament ohne Wirkstoff und es geht ihnen messbar besser. Nicht eingebildet besser. Messbar. Bei Schmerzen lassen sich sogar körpereigene Prozesse nachweisen, die dabei anspringen.

Eine weisse Tablette und ein Glas Wasser auf einem hellen Nachttisch im Morgenlicht
Sie wirkt sogar dann, wenn Du weisst, dass nichts drin ist. Erwartung ist keine Kleinigkeit. (Bild: KI-generiert)

Noch verblüffender wird es bei den sogenannten offenen Placebos. Der Harvard-Forscher Ted Kaptchuk hat Studien gemacht, in denen die Teilnehmer ausdrücklich wussten, dass sie eine wirkstofffreie Tablette bekommen. Man hat es ihnen wörtlich gesagt. Und es wirkte trotzdem.

Lass das kurz sacken. Die Erwartung selbst hat eine körperliche Wirkung, sogar wenn man weiss, dass nichts drin ist.

Wer also sagt „Deine innere Haltung verändert etwas“, der hat damit nicht unrecht. Die Frage ist nur, wo sie etwas verändert.

Belegt ist: Sie verändert Deine Wahrnehmung, Dein Schmerzempfinden, Deine Ausdauer, Dein Verhalten und damit indirekt eine ganze Menge in Deinem Leben. Nicht belegt ist der Weg nach draussen, also dass Gedanken ohne Umweg über Dein Handeln Dinge oder Ereignisse anziehen.

Das ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied. Und es ist ein deutlich grösseres Zugeständnis, als die meisten Kritiker machen.

Und trotzdem: warum manche Menschen ihre Ziele erreichen

Jetzt kommt der Teil, der mich wirklich interessiert. Denn die Beobachtung dahinter stimmt ja. Manche Menschen ziehen tatsächlich Chancen an. Die Frage ist nur: wodurch?

Es gibt eine Forscherin, die genau dieser Frage ihr Berufsleben gewidmet hat, und sie kommt aus Deutschland.

Gabriele Oettingen ging als Psychologin in die USA und lehrt an der New York University. Sie wollte wissen, ob positives Denken hält, was es verspricht. Und sie hat sich dafür nicht auf Umfragen verlassen, sondern Menschen über längere Zeiträume begleitet und geschaut, was tatsächlich aus ihnen wird.

Drei Untersuchungen, ein unbequemes Muster

In einer Studie begleitete sie Teilnehmerinnen eines Abnehmprogramms. Vorher fragte sie ab, wie lebhaft sich die Frauen ihren Erfolg ausmalten. Das Ergebnis nach einem Jahr: Wer besonders positiv fantasiert hatte, hatte im Schnitt weniger abgenommen.

In einer anderen Untersuchung ging es um Studierende kurz vor dem Abschluss. Wer sich die Traumstelle besonders lebhaft ausmalte, bekam am Ende weniger Angebote und verdiente weniger.

Und in einer dritten Studie ging es um Patienten nach einer Operation. Auch dort dasselbe Muster.

Das Ergebnis ist so konsequent, dass es kaum Zufall sein kann, und es ist unbequem für jeden Ratgeber: Wer sich den Erfolg nur ausmalt und dabei schön in die Vorfreude geht, erreicht seine Ziele seltener. Nicht öfter. Seltener. Und ihr Ergebnis ist unbequem für jeden Anziehungs-Ratgeber: Wer sich seinen Erfolg nur ausmalt und dabei schön in die Vorfreude geht, erreicht seine Ziele seltener. Nicht öfter. Seltener.

Der Grund ist verblüffend einfach. Das Gehirn nimmt das Erreichte in der Fantasie schon vorweg. Die Anspannung fällt ab. Du fühlst Dich, als hättest Du schon geliefert… und tust deshalb weniger.

Was dagegen funktioniert, nennt Oettingen mentales Kontrastieren. Du malst Dir das Ziel aus UND schaust Dir sofort das grösste Hindernis an. Nicht entweder oder. Beides.

Oettingen hat daraus ein Verfahren gemacht, das sie WOOP nennt. Vier Schritte, vier Anfangsbuchstaben:

  1. Wish. Was willst Du wirklich? Ein Wunsch, der Dich fordert, aber machbar ist.
  2. Outcome. Wie fühlt es sich an, wenn es geschafft ist? Das ist der Teil, den die Ratgeber kennen.
  3. Obstacle. Was in Dir steht dem im Weg? Nicht die Umstände. Du.
  4. Plan. Ein Wenn-Dann-Satz für genau dieses Hindernis.

Der dritte Schritt ist der, den fast alle auslassen. Und er ist der entscheidende.

Dazu kommt ein zweiter Baustein von Peter Gollwitzer: der Wenn-Dann-Plan. Statt „ich will mehr Sport machen“ heisst es „wenn ich Dienstag um 18 Uhr das Büro verlasse, dann fahre ich direkt in die Halle“. Das Ziel wird an eine konkrete Situation gekoppelt. Und genau dieses Koppeln macht den Unterschied.

„Ich habe keine besondere Begabung! Ich bin nur einfach leidenschaftlich neugierig!“ – Albert Einstein. Auch das ist übrigens kein Energiefeld. Das ist eine Haltung, die zu Verhalten führt.

Die Schattenseite, über die selten geredet wird

Es gibt einen Punkt, bei dem ich nicht neutral bleiben kann, und ich will offen sagen warum.

Wenn Erfolg vollständig eine Frage der inneren Haltung ist, dann folgt daraus zwangsläufig etwas Zweites: Dann ist Misserfolg ebenfalls eine Frage der inneren Haltung.

Dann ist der Mensch, dessen Firma in der Krise gescheitert ist, selbst schuld. Dann hat die Frau mit der schweren Diagnose eben nicht positiv genug gedacht. Dann liegt es am Kind aus schwierigen Verhältnissen, dass es nicht die richtige Frequenz hatte.

Ich habe erlebt, wie Menschen sich mit dieser Logik zusätzlich zu ihrem eigentlichen Problem noch Schuldgefühle aufgeladen haben. Das ist die Stelle, an der aus einer aufbauenden Idee etwas Hartes wird.

Wohlgemerkt: Das steht so bei den wenigsten in den Büchern. Es ist die logische Kehrseite, die meistens einfach nicht mitgedacht wird.

Für mich ist das der eigentliche Prüfstein bei diesem ganzen Thema. Eine Überzeugung, die Dich in schweren Zeiten zusätzlich beschuldigt, hilft Dir nicht. Eine, die Dich handlungsfähig hält, hilft Dir. Nach diesem Kriterium würde ich sortieren, nicht nach der Frage, ob etwas spirituell oder wissenschaftlich klingt.

Was von meinem alten Artikel übrig bleibt

Erstaunlich viel, ehrlich gesagt. Nur eben mit einer anderen Begründung.

Ich hatte damals geschrieben, Du sollst Dein Umfeld prüfen und Dir aufschreiben, welche Menschen Dir guttun. Der Rat ist gut. Aber nicht, weil Resonanzfelder ansteckend sind. Sondern weil Dein Umfeld darüber entscheidet, was Du für normal und für möglich hältst.

Ich hatte geschrieben, Du sollst Dich physisch dorthin begeben, wo Dein Ziel schon existiert. Auch das ist richtig. Nicht wegen Schwingung, sondern weil Du dort Informationen, Kontakte und Gelegenheiten bekommst, die Du vom Sofa aus nicht bekommst.

Und ich hatte geschrieben, Du sollst Deine Wünsche aufschreiben, klar und präzise. Das ist vielleicht der beste Rat aus dem ganzen Text. Nur wirkt er nicht, weil der Wunsch dadurch „in die Materie kommt“. Er wirkt, weil ein aufgeschriebenes Ziel überprüfbar wird.

Die Praxis war grösstenteils in Ordnung. Nur die Begründung hat nicht getragen.

Was Du konkret tun kannst

Wenn Du das Gesetz der Anziehung für Dich nutzen willst, ohne Dich selbst zu belügen, dann so:

  1. Formuliere Dein Ziel so konkret, dass ein Fremder erkennen könnte, ob Du es erreicht hast. „Mehr Erfolg“ ist kein Ziel. „Bis Ende März drei zahlende Kunden“ ist eins.
  2. Male Dir zwei Minuten aus, wie es sich anfühlt, wenn es geschafft ist. Zwei Minuten. Nicht zwei Stunden. Das ist der Teil, den die Ratgeber überdehnen.
  3. Schreibe direkt danach das grösste Hindernis auf. Ehrlich. Meistens ist es nicht der Markt, sondern Deine eigene Bequemlichkeit oder die Angst vor dem Versagen.
  4. Bau daraus einen Wenn-Dann-Satz. „Wenn ich morgens den Rechner aufklappe, dann schreibe ich zuerst zwei Angebote, bevor ich Mails lese.“
  5. Verändere Deinen Filter bewusst. Erzähle drei Menschen von Deinem Vorhaben. Ab dann siehst Du Gelegenheiten, die vorher durch Dein Raster gefallen sind. Das ist der Auto-Effekt, nur absichtlich eingesetzt.
  6. Prüfe nach vier Wochen nach. Nicht fühlen, ob es sich richtig anfühlt. Nachsehen, ob etwas passiert ist.

Ein Fehler, den ich selbst lange gemacht habe

Bei Punkt 3 habe ich jahrelang geschummelt, ohne es zu merken. Ich habe als Hindernis Dinge notiert, die ausserhalb von mir lagen. Der Markt. Die Konkurrenz. Die Zeit. Alles Faktoren, gegen die ich nichts machen kann und die deshalb bequem sind.

Oettingens Punkt ist ein anderer. Sie fragt nach dem Hindernis in Dir. Und das ist fast nie der Markt. Es ist die Angst vor dem Anruf. Die Bequemlichkeit am Abend. Der Perfektionismus, der verhindert, dass etwas rausgeht, bevor es fertig ist.

Das ehrlich hinzuschreiben tut kurz weh und ist der ganze Trick an der Sache.

Punkt 5 ist der eigentliche Kern. Du kannst Dir nichts herbeidenken. Aber Du kannst darüber entscheiden, wofür Du empfänglich bist. Und das ist mehr Macht, als es im ersten Moment klingt. Es ist nur eine andere Art von Macht als die, die mir 2014 verkauft wurde.

Blatt Papier mit drei handschriftlichen Zeilen auf einem Schreibtisch im Morgenlicht
Drei Zeilen. Fünf Minuten. Mehr braucht der erste Schritt nicht. (Bild: KI-generiert)

Und was ist mit dem Rest?

Jetzt könnte man meinen, damit sei die Sache erledigt. Ist sie aber nicht, und ich will hier ehrlich bleiben.

Ich habe Dir beschrieben, was sich mit Wahrnehmung, Verhalten und Erwartung erklären lässt. Das ist erstaunlich viel. Aber ich behaupte nicht, dass damit alles erklärt ist, was Menschen erleben.

Ich kenne genug Leute, die Dinge berichten, für die ich keine saubere Erklärung habe. Zufälle, die zu passgenau waren. Begegnungen im richtigen Moment. Ein Gefühl, das sich später als richtig herausstellte. Vielleicht kennst Du solche Geschichten auch, oder Du hast selbst eine.

Was ich dazu sagen kann: Die Naturwissenschaft beschreibt, was sich messen und wiederholen lässt. Das ist ihre Stärke und zugleich ihre Grenze. Sie hat kein Urteil darüber gefällt, ob es Sinn gibt, ob Dinge zusammenhängen oder was Du glauben sollst. Sie ist für diese Fragen schlicht nicht zuständig.

Deshalb kannst nur Du selbst entscheiden, was für Dich stimmt. Und diese Entscheidung nimmt Dir weder ein Coach noch ein Physiker ab. Auch ich nicht.

Was ich Dir anbieten kann, ist eine einzige nüchterne Frage, die ich für mich selbst als Massstab genommen habe:

Bringt Dich das, woran Du glaubst, ins Handeln oder hält es Dich davon ab?

Wenn Deine Praxis Dich morgens aus dem Bett holt, Dich mutiger macht und Dich Dinge angehen lässt, dann ist sie für Dich wertvoll, ganz gleich wie sie begründet wird. Wenn sie dazu führt, dass Du auf dem Sofa sitzt und auf das Universum wartest, dann ist sie es nicht.

Diesen Test kannst Du an jede Überzeugung anlegen. Auch an meine.

Der erste Schritt für heute

Nimm ein Blatt Papier. Schreibe oben Dein Ziel hin, in einem Satz, mit einer Zahl und einem Datum. Darunter schreibst Du das grösste Hindernis. Darunter einen einzigen Wenn-Dann-Satz.

Mehr nicht. Drei Zeilen, fünf Minuten.

Das Blatt legst Du dorthin, wo Du morgens als Erstes hinschaust. Dann hast Du genau das getan, was das Gesetz der Anziehung verspricht… nur eben auf dem Weg, der nachweislich funktioniert.

Wenn Du beim Thema Ziele grundsätzlich hängst, lies danach meinen Artikel über Fokussierung. Und wenn Du wissen willst, warum das gerade jetzt wichtiger ist als früher, dann schau Dir an, was ich über die massiven Veränderungen geschrieben habe.

Häufig gestellte Fragen

Ist das Gesetz der Anziehung wissenschaftlich bewiesen?

Nein. Es gibt keine belastbare Studie, die zeigt, dass Gedanken Ereignisse oder Gegenstände direkt anziehen. Belegt sind dagegen die psychologischen Effekte dahinter: selektive Wahrnehmung, Selbstwirksamkeit und der Einfluss klarer Ziele auf das Verhalten.

Funktioniert das Gesetz der Anziehung wirklich?

Es funktioniert nicht so, wie es meistens erklärt wird. Was wirkt, ist die Veränderung Deiner Aufmerksamkeit und Deines Verhaltens. Wer sich ein Ziel setzt, nimmt passende Gelegenheiten wahr und handelt anders. Das Ergebnis fühlt sich wie Anziehung an, hat aber eine ganz normale Erklärung.

Warum funktioniert das Gesetz der Anziehung bei mir nicht?

Meistens, weil beim Visualisieren Schluss ist. Die Forschung von Gabriele Oettingen zeigt, dass reines positives Ausmalen die Erfolgswahrscheinlichkeit sogar senkt. Es fehlt der zweite Schritt: das Hindernis benennen und einen konkreten Wenn-Dann-Plan daraus bauen.

Was hat Quantenphysik mit dem Gesetz der Anziehung zu tun?

Nichts. Quantenphysikalische Effekte gelten auf subatomarer Ebene und lassen sich nicht auf Wünsche, Gedanken oder Lebensziele übertragen. Die Berufung auf Quantenphysik ist in dieser Szene ein Stilmittel, kein Argument.

Woher kommt das Gesetz der Anziehung ursprünglich?

Der Begriff stammt aus der Neugeist-Bewegung des 19. Jahrhunderts, unter anderem von William Walker Atkinson. Grosse Bekanntheit bekam die Idee 2006 durch das Buch und den Film „The Secret“.

Was kann ich stattdessen tun, um meine Ziele zu erreichen?

Ziel konkret formulieren, kurz ausmalen, das grösste Hindernis benennen, einen Wenn-Dann-Plan festlegen und nach vier Wochen überprüfen. Dieses Vorgehen ist als mentales Kontrastieren gut untersucht und braucht keinerlei Esoterik.

Woher stammt das Gesetz der Anziehung ursprünglich?

Aus der amerikanischen Neugeist-Bewegung des 19. Jahrhunderts. William Walker Atkinson trug den Begriff 1906 im Buchtitel „Thought Vibration or the Law of Attraction in the Thought World“. 1937 folgte Napoleon Hill mit „Denke nach und werde reich“. Die weltweite Bekanntheit kam 2006 durch Rhonda Byrnes Film und Buch „The Secret“.

Was ist die WOOP-Methode?

Ein von Gabriele Oettingen entwickeltes Vorgehen aus vier Schritten: Wish, Outcome, Obstacle, Plan. Also Wunsch benennen, sich das Ergebnis kurz ausmalen, das eigene innere Hindernis ehrlich festhalten und dafür einen Wenn-Dann-Plan festlegen. Der dritte Schritt wird meistens ausgelassen und ist der wichtigste.

Schadet positives Denken?

Nicht grundsätzlich. Problematisch wird es, wenn es beim Ausmalen bleibt, denn dann nimmt das Gehirn den Erfolg gedanklich vorweg und die Anspannung fällt ab. Kritisch ist ausserdem die Kehrseite: Wer Erfolg allein auf Einstellung zurückführt, macht Menschen für Misserfolg, Krankheit oder Krisen verantwortlich, an denen sie keine Schuld tragen.

Wirkt die Erwartung überhaupt auf den Körper?

Ja, das ist gut belegt. Der Placebo-Effekt zeigt messbare körperliche Wirkungen, etwa bei Schmerzen. Bemerkenswert sind Studien mit offenen Placebos, bei denen die Teilnehmer wussten, dass ihre Tablette keinen Wirkstoff enthält, und die trotzdem eine Wirkung zeigten. Erwartung verändert also nachweislich Wahrnehmung und Befinden.

Quellen

  • Gabriele Oettingen: „Die Psychologie des Gelingens“, 2015 (Original: „Rethinking Positive Thinking“)
  • Peter M. Gollwitzer: Forschung zu Implementation Intentions (Wenn-Dann-Plänen)
  • Albert Bandura: Konzept der Selbstwirksamkeitserwartung
  • Rolf Dobelli: „Die Kunst des klaren Denkens“, 2011 (zum Bestätigungsfehler)
  • William Walker Atkinson: „Thought Vibration or the Law of Attraction in the Thought World“, 1906
  • Ted J. Kaptchuk, Harvard Medical School: Forschung zu offenen Placebos

Und jetzt Du: Hast Du das Gesetz der Anziehung mal ausprobiert? Hat es funktioniert oder bist Du damit auf die Nase gefallen? Schreib mir einen Kommentar, mich interessiert das wirklich. Und wenn Dir der Artikel etwas gebracht hat, teile ihn gern 🙂

In meinem nächsten Artikel gehe ich intensiver darauf ein, warum Ziele so oft nach drei Wochen wieder einschlafen… und was man dagegen tun kann.

Patrick Flender

Ich bin Patrick Flender – Unternehmer, Investor und Speaker. Auf diesem Blog schreibe ich über zwei Dinge, die für mich zusammengehören: Mindset und Business. Über Fokus, Angst, Rückschläge und die Frage, warum wir uns selbst am häufigsten im Weg stehen – und über das Handwerk dahinter: Online-Marketing, Social Media, SEO und Vertrieb. Kein Motivations-Sprech und keine Abkürzungen, sondern das, was ich als Unternehmer selbst erlebt und gelernt habe. Hauptberuflich baue ich mit Flendermedia Software-, Automatisierungs- und KI-Lösungen für Unternehmen. Über verdeckten Narzissmus und toxische Beziehungen schreibe ich auf du-bist-nicht-verrueckt.de.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar