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Massive Veränderungen (Teil 2): Die Roboter kommen

Im Januar 2017 habe ich hier einen Artikel veröffentlicht. Er hiess „Massive Veränderungen! So bereitest Du Dich darauf vor“. Darin stand sinngemäss: Es rollt eine Welle auf uns zu, auf die niemand vorbereitet ist.

Der Artikel steht bis heute online, mit Datum. Und ich lese ihn gerade mit einem sehr merkwürdigen Gefühl.

Denn ich hatte recht mit der Richtung. Und ich lag komplett daneben bei der Geschwindigkeit.

Über künstliche Intelligenz reden inzwischen alle. Jeder hat ChatGPT ausprobiert, jeder kennt jemanden, der damit arbeitet. Das ist die eine Hälfte der Geschichte.

Die andere Hälfte bekommt fast niemand mit. Und sie ist die grössere.

Ich rede von Robotern. Nicht von den Industrierobotern, die seit vierzig Jahren angeschraubt in einer Zelle stehen und dieselbe Schweissnaht setzen. Ich rede von humanoiden Robotern. Maschinen auf zwei Beinen, mit zwei Händen, gebaut, um genau das zu tun, was ein Mensch tut.

Die sind nicht mehr in der Entwicklung. Die arbeiten bereits.

Dieser Artikel ist die direkte Fortsetzung von damals, und damit Teil 2 einer Reihe, die 2017 begonnen hat. Nur mit Zahlen statt Ahnungen. Und mit einer Zeitleiste, die ich mich fast nicht traue aufzuschreiben.

Reihe „Massive Veränderungen“, Teil 2 von 4

Teil 1: So bereitest Du Dich darauf vor
Januar 2017. Die Prognose, als davon noch niemand sprach.

Teil 2: „Die Roboter kommen“ (dieser Artikel)
Was davon eingetreten ist, mit Zahlen und Zeitleiste bis 2033.

Teil 3: Wenn Arbeit nicht mehr nötig ist
Was das mit uns macht. Geld, Identität und die Frage, was bleibt.

Teil 4: Wovon leben wir dann?
Grundeinkommen, Konsumsteuer und was die Experimente wirklich zeigen.

Peking, diese Woche

Während ich das hier schreibe, läuft in Peking eine Veranstaltung, von der in Deutschland kaum jemand Notiz nimmt.

Im Nationalen Eisschnelllauf-Oval finden die zweiten World Humanoid Robot Games statt. Vom 22. bis 26. August 2026. Also gerade jetzt.

Die Zahlen dazu: 2.056 Roboter. 666 Teams. 16 Länder. 51 Wettbewerbe.

Und das ist keine Rückschau. Während ich diese Zeilen schreibe, läuft die Übertragung.

Und jetzt der Teil, auf den es ankommt. Diese Spiele gab es letztes Jahr zum ersten Mal. Damals traten rund 500 Roboter an.

In zwölf Monaten hat sich das Teilnehmerfeld vervierfacht.

Es wird gesprintet, Fussball gespielt, hochgesprungen. Neu dazugekommen sind in diesem Jahr Tauziehen, Gewichtheben, Tischtennis und Taijiquan. Bei den Laufdisziplinen haben Roboter inzwischen Bestmarken erreicht, die über dem liegen, was Menschen in denselben Kategorien schaffen.

Wer die Bilder von 2025 neben die von 2026 legt, sieht den Unterschied sofort. Vor einem Jahr wirkten die meisten dieser Maschinen noch wacklig und komisch. Heute bewegen sie sich flüssig.

Schau Dir das eine Minute lang an. Und dann überleg, wie das vor drei Jahren aussah.

Gerade live aus Peking

Während dieser Artikel erscheint, laufen die Wettbewerbe tatsächlich noch. Die Spiele gehen bis zum 26. August 2026. Wenn Du das später liest, findest Du unter dem Video die Aufzeichnung.

Übertragung der World Humanoid Robot Games aus dem Nationalen Eisschnelllauf-Oval. Zwei Minuten reichen, um zu verstehen, worum es in diesem Artikel geht.

Der Teil, den man leicht übersieht

Sport ist dabei nur die Show. Interessanter ist eine zweite Kategorie, die dieses Jahr dazugekommen ist: 14 neue Wettbewerbe aus neun realen Anwendungsbereichen. Darunter Haushalt, Hotel und Logistik.

Da wird also nicht mehr nur gerannt. Da wird Wäsche sortiert, es werden Zimmer hergerichtet und Pakete kommissioniert. Unter Wettkampfbedingungen, mit Zeitmessung und Fehlerwertung.

Man kann das für eine sportliche Spielerei halten. Ich halte es für ein Trainingslager.

Spartanburg: Ein Kollege ohne Feierabend

Bevor jetzt jemand denkt, das sei alles weit weg in China: Der nächste Fall betrifft ein deutsches Unternehmen.

BMW betreibt in Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina sein grösstes Werk weltweit. Dort läuft ein Projekt mit dem Robotikunternehmen Figure AI.

Der Roboter heisst Figure 02. Menschengross, zwei Beine, zwei Hände. Seine Aufgabe: Blechteile aufnehmen und für die Verschweissung einlegen.

Roboterhand greift ein Blechteil in einer hellen Fabrik
Das Problem war nie das Laufen. Es war das Greifen. Genau das ist jetzt gelöst. (Bild: KI-generiert)

Das klingt unspektakulär, ist es aber nicht. Diese Aufgabe machten vorher Menschen, weil sie Fingerspitzengefühl verlangt. Ein festgeschraubter Industrieroboter kann sie nicht übernehmen, weil er nicht umhergehen und nicht flexibel greifen kann.

Nach rund elf Monaten im Einsatz lautete die Bilanz: beteiligt an der Fertigung von über 30.000 Fahrzeugen.

Seit Mitte 2026 steht dort der Nachfolger Figure 03. Der arbeitet in der Logistik, nimmt unsortierte Bauteile auf und sortiert sie in Sequenzwagen für das Band. Auch das war vorher Handarbeit. Das neue Modell hat Tastsensoren in den Händen, Kameras in den Handflächen, lädt drahtlos und kann angesprochen werden.

Das ist kein Messeprototyp. Das ist ein Arbeitsplatz, der vorher jemandem gehörte.

Die Zahlen aus China

Und jetzt die Grössenordnung, in der das dort betrieben wird:

  • Von den weltweit im ersten Halbjahr 2026 ausgelieferten humanoiden Robotern stammen über 97 Prozent aus China.
  • Der Hersteller Unitree hatte bis Juli 2026 rund 18.000 zweibeinige Roboter gebaut.
  • Für das Gesamtjahr rechnet China mit über 100.000 Einheiten.
  • Unitree ging im August an die Börse, bewertet mit rund neun Milliarden Dollar.
Reihe humanoider Roboter in einer hellen Produktionshalle
Über 97 Prozent aller ausgelieferten Humanoiden kommen aus China. Das ist keine Momentaufnahme. (Bild: KI-generiert)

Am meisten beschäftigt mich dabei aber keine dieser Zahlen, sondern der Preis.

Ein humanoider Roboter kostete vor wenigen Jahren so viel wie ein Einfamilienhaus. Chinesische Hersteller haben die Materialkosten inzwischen auf etwa 35.000 Euro gedrückt. Westliche Anbieter liegen noch bei 90.000 bis 100.000.

Wer wissen will, was das bedeutet, muss nur an Flachbildfernseher denken. Oder an Solarmodule. Sobald China einen Markt in die Massenfertigung nimmt, fällt der Preis so schnell, dass jede alte Kalkulation Makulatur wird.

In Shenzhen liefen im August 2026 bereits Roboter im öffentlichen Raum: Essen ausliefern, Pakete sortieren bei der Post, Verkehr regeln, im Hotel Eis machen. Kein Pilotprojekt. Betrieb.

Fünf Jahre bis zum Haushaltsroboter? Nein.

Ich war bis vor Kurzem der Meinung, es dauere keine fünf Jahre mehr, bis die ersten Roboter in Privathaushalte einziehen.

Beim Nachrecherchieren musste ich meine eigene Einschätzung korrigieren. Nach unten.

Es dauert keine fünf Jahre. Es passiert dieses Jahr.

Das Unternehmen 1X nimmt Vorbestellungen für einen Haushaltsroboter namens Neo entgegen. Preis: 20.000 Dollar oder knapp 500 Dollar im Monat. Erste Auslieferungen an Privatkunden in den USA und Kanada in der zweiten Jahreshälfte 2026.

Humanoider Roboter in einer hellen normalen Wohnkueche
Ende 2026 stehen die ersten davon in Privathaushalten. Zum Preis eines Mittelklassewagens. (Bild: KI-generiert)

Neo wiegt rund 30 Kilo, hat Hände mit 22 Freiheitsgraden und hebt ein Vielfaches seines Eigengewichts. Er soll aufräumen, Wäsche machen, Geschirr wegräumen.

Und jetzt die unbequeme Hälfte

Neo ist noch nicht das, wonach es klingt. Die ersten Geräte arbeiten nicht vollständig autonom. Ein Teil der Aufgaben läuft über Teleoperation, das heisst, ein Mensch sitzt woanders und steuert mit. Der Roboter lernt dabei.

Wer also Ende 2026 einen Haushaltsroboter erwartet, der wie im Film funktioniert, wird enttäuscht.

An der Richtung ändert das nichts. So hat autonomes Fahren angefangen. So hat Spracherkennung angefangen. Die erste Generation ist immer eine Enttäuschung. Die dritte nicht mehr.

Warum es diesmal schneller geht

Humanoide Roboter werden seit Jahrzehnten angekündigt. Warum sollte es ausgerechnet jetzt anders sein?

Weil drei Dinge zusammengekommen sind, und das ist neu.

Erstens die Hände. Das Problem war nie das Laufen. Es war das Greifen. Ein Glas anfassen, ohne es zu zerdrücken, ist anspruchsvoller als eine Treppe zu steigen. Genau hier hat sich in zwei, drei Jahren am meisten getan.

Zweitens das Gehirn. Hier schliesst sich der Kreis zur KI. Früher musste jede Bewegung programmiert werden. Heute lernen diese Systeme aus Beobachtung und übertragen das Prinzip auf neue Situationen. Dieselbe Technik, die hinter den Sprachmodellen steckt, steuert inzwischen Bewegung.

Drittens die Stückzahl. Solange etwas hundertmal gebaut wird, bleibt es teuer und unausgereift. Bei Zehntausenden greifen Lernkurve und Skaleneffekt gleichzeitig.

KI und Robotik sind nicht zwei Themen. Sie sind eines. Die KI war das fehlende Teil, ohne das die Mechanik nie brauchbar wurde. Jetzt ist es da.

Und es gibt einen Bereich, in dem man gerade in aller Härte sehen kann, wie schnell Automatisierung geht, wenn der Druck maximal ist: In der Ukraine wird der Krieg zu weiten Teilen mit Drohnen geführt, ferngesteuert und zunehmend teilautonom, über Satellitennetze angebunden. Ich führe das hier nur als Indikator an, weil es zeigt, in welchem Tempo sich Technik durchsetzt, sobald sie über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Es ist ein bitterer Massstab, aber es ist einer.

Welche Bereiche es zuerst trifft

Die Frage ist nicht ob, sondern wo zuerst. Hier meine Einschätzung, sortiert danach, wie weit es jeweils schon ist.

Recht: weiter als die meisten denken

Grosskanzleien bauen derzeit juristische KI-Systeme auf, trainiert auf den Fallbeständen von Jahrzehnten. Und das ist längst nicht mehr die Zukunft: Laut einer Branchenstudie nutzen inzwischen rund 92 Prozent der befragten Juristen mindestens ein KI-Werkzeug. Über 60 Prozent der kleinen Kanzleien in Deutschland setzen KI regelmässig ein.

Recherche, Vertragsanalyse, Schriftsätze, Fristenprüfung. Was dabei bleibt, ist die Bewertung, die Strategie und die Haftung gegenüber dem Mandanten. Was geht, ist die Fleissarbeit. Und die war jahrzehntelang das Geschäftsmodell des Berufseinstiegs.

Medizin: Diagnose zuerst, Pflege danach

Ärzte werden nicht ersetzt. Aber die Diagnostik verschiebt sich massiv. Bei Bildbefunden ist die Maschine in vielen Bereichen bereits sehr stark, und sie wird schneller besser als jeder einzelne Mensch dazulernen kann.

Danach kommt die körperliche Seite: Blut abnehmen, Lagern, Transport, Dokumentation, einfache Betreuungstätigkeiten. Nicht das Gespräch mit dem Patienten. Aber alles drumherum.

Gastronomie: technisch fast gelöst

Ein Restaurant ist aus Sicht eines Roboters eine ideale Umgebung. Immer derselbe Raum, immer dieselben Geräte, immer dieselben Handgriffe.

Ein Roboterkoch produziert dasselbe Gericht in gleichbleibender Qualität, tausendmal. Die KI entwirft Rezepte, die Maschine setzt sie unmittelbar um. Und die Lieferkette davor läuft ohnehin zunehmend automatisiert.

Was in der Gastronomie bleibt, ist nicht das Kochen. Es ist der Gastgeber.

Film: wenn der Regisseur selbst im Vorstand sitzt

Und jetzt zu dem Bereich, den fast jeder für den sichersten hält: das Kreative.

Im September 2024 ist James Cameron in den Verwaltungsrat von Stability AI eingetreten. Also der Mann hinter Terminator, Titanic und Avatar. Nicht als Berater, sondern als Board-Mitglied bei einem der bekanntesten KI-Unternehmen.

Lass diesen Satz kurz wirken. Der Regisseur, der die bekannteste Warnung vor künstlicher Intelligenz überhaupt gedreht hat, sitzt heute im Aufsichtsgremium einer KI-Firma.

Seine Begründung ist erfrischend unromantisch. Er sagt sinngemäss, die Zukunft des grossen Kinofilms hänge davon ab, die Kosten für visuelle Effekte zu halbieren. Sonst rechne sich das Geschäft irgendwann nicht mehr.

Und hier kommt die Stelle, die mich beim Nachlesen überrascht hat, weil sie der landläufigen Erzählung widerspricht:

Cameron will damit ausdrücklich keine Leute ersetzen. Sein Modell ist ein anderes: dieselben tausend VFX-Leute, aber in der halben Zeit, und danach direkt der nächste Film. Also gleiche Beschäftigung bei doppeltem Ausstoss. Und für die Avatar-Filme hat er den Einsatz von KI bei Schauspielern sogar ausdrücklich untersagt.

Das finde ich ehrlicher als vieles, was man sonst zu diesem Thema hört. Es ist aber auch nur die halbe Wahrheit.

Denn ein anderer Regisseur geht deutlich weiter. Darren Aronofsky, bekannt durch Black Swan und The Whale, hat mit Primordial Soup ein eigenes Studio gegründet, das ausdrücklich auf KI-gestütztes Filmemachen ausgerichtet ist. Es besteht eine Partnerschaft mit Google DeepMind: Das Studio bekommt frühen Zugriff auf die Videomodelle, die Filmemacher liefern im Gegenzug Rückmeldung, um die Werkzeuge praxistauglich zu machen.

Der erste Film daraus heisst Ancestra, acht Minuten lang, Regie Eliza McNitt. Er kombiniert echte Schauspieler mit KI-generierten Bildern und lief im Juni 2025 auf dem Tribeca Festival.

Das Making-of von Google zeigt, wie echte Aufnahmen und KI-Bilder ineinandergreifen.

Zwei renommierte Regisseure, zwei unterschiedliche Wege: Der eine will bestehende Prozesse beschleunigen, der andere baut gleich ein neues Studio darum herum. Und das Bemerkenswerte daran ist: Diese Entwicklung wird nicht von Technikfirmen in die Branche hineingedrückt. Sie wird von den Regisseuren selbst vorangetrieben.

Denn parallel dazu läuft eine zweite Entwicklung, die mit Cameron nichts zu tun hat: Videogeneratoren, die aus einem Textabsatz bewegte Bilder erzeugen. Ohne Kamera, ohne Set, ohne Schauspieler. Die Qualität reicht noch nicht für einen Kinofilm. Für Werbung, Erklärvideos und Social-Media-Inhalte reicht sie längst.

Und die Kosten dort sind kein Bruchteil des Üblichen. Sie sind ein Rundungsfehler.

Und dann kam im August 2026 der erste abendfüllende Film

Während ich diesen Artikel geschrieben habe, ist genau das passiert, was ich für den Absatz oben noch als „reicht noch nicht fürs Kino“ formuliert hatte.

Am 5. August 2026 wurde in New York The Cully Hill Boys gezeigt. 110 Minuten. Abendfüllend. Vollständig KI-generiert.

Eine Actionkomödie über drei erfolglose Rapper aus East London. Mit dabei sind digitale Abbilder realer Personen, darunter der MMA-Kämpfer Israel Adesanya und der frühere UFC-Champion Quinton Jackson. Und zwar mit Lizenz, was der eigentlich interessante Teil daran ist: Die Rechte an der eigenen Erscheinung werden hier zum handelbaren Gut.

Das Budget lag bei rund zwei Millionen Dollar. Das klingt nach viel, ist es aber nicht. Ein konventioneller Actionfilm dieser Länge kostet ein Vielfaches davon.

Und das Unternehmen dahinter hat sämtliche Prompts und Produktionsunterlagen offengelegt, damit andere es nachbauen können.

Ob der Film gut ist, ist eine ganz andere Frage, und die Kritiken sind durchwachsen. Nur ist das nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass der Satz „für einen Kinofilm reicht die Qualität noch nicht“ ein Verfallsdatum hat. Und dieses Datum war offenbar dieser Sommer.

Ein Werbespot, der früher ein Team, einen Drehtag und fünfstellige Summen gekostet hat, entsteht heute an einem Nachmittag. Das trifft nicht Hollywood. Das trifft die Produktionsfirma im Gewerbegebiet, die von genau solchen Aufträgen lebt.

Merk Dir das Muster, es taucht überall auf: Die Spitze wird beschleunigt. Die Mitte wird wegrationalisiert.

Die eigentlich entscheidende Frage

Wenn ich das zu Ende denke, ist „kann KI einen Film machen“ gar nicht die richtige Frage. Sie ist beantwortet.

Die richtige Frage lautet: Wann kann eine einzelne Person mit 5.000 bis 20.000 Euro etwas produzieren, das aussieht wie ein Film für zwanzig Millionen?

Bei einzelnen Einstellungen sind wir davon nicht mehr weit entfernt. Bei neunzig zusammenhängenden Minuten mit gleichbleibenden Gesichtern, konsistentem Licht und einer Geschichte, die trägt, noch schon.

Aber genau dieser Abstand schrumpft gerade, und zwar schnell. Und an dem Tag, an dem er weg ist, ändert sich nicht die Filmbranche. Dann ändert sich, wer überhaupt Filme machen darf. Bisher entschied das Kapital. Dann entscheidet die Idee.

Das ist die Seite dieser Entwicklung, die mich ehrlich begeistert.

Und die Stimmen?

Dieselbe Entwicklung läuft beim Ton. Sprachmodelle erzeugen inzwischen Stimmen, die von echten kaum zu unterscheiden sind, in jeder Sprache, mit übertragener Betonung.

Für die deutsche Synchronbranche ist das eine existenzielle Frage. Und sie wehrt sich, mit einem Satz, den ich bemerkenswert gut finde:

Peter Flechtner, eine der bekanntesten deutschen Synchronstimmen, über den Einsatz von KI in der Branche.

Mich erinnert das an die Anfänge des Automobils. In England gab es tatsächlich ein Gesetz, das vorschrieb, dass ein Mann mit roter Flagge vor jedem Fahrzeug herlaufen musste. Das hat den Fortschritt um Jahre verzögert und am Ende kein einziges Pferdefuhrwerk gerettet.

Ich glaube trotzdem, dass der Vergleich an einer Stelle hinkt, und die ist wichtig.

Die Frage ist nicht ob, sondern zu welchen Bedingungen.

Eine Stimme ist kein Pferdefuhrwerk. Sie ist ein persönliches Merkmal, so wie ein Gesicht. Ob sie ohne Zustimmung kopiert werden darf, ist keine Frage des technischen Fortschritts, sondern eine Rechtsfrage. Und die ist gestaltbar.

Der KI-Spielfilm aus dem letzten Abschnitt zeigt übrigens genau, wie das aussehen kann: Dort wurden die Abbilder der Beteiligten lizenziert. Es gab einen Vertrag und Geld dafür.

Aufhalten lässt sich die Technik nicht. Regeln lässt sie sich sehr wohl. Wer heute pauschal sagt „das ist nicht umkehrbar, also gibt es nichts zu verhandeln“, überlässt anderen das Feld. Und wer sagt „das lässt sich verbieten“, verliert am Ende beides.

Dass Schauspieler in einigen Jahren zu einem erheblichen Teil generiert statt gefilmt werden, halte ich für ausgemacht. Bei Nebenrollen, Statisten und Werbung passiert es bereits. Die interessante Frage ist, wem dann das Gesicht gehört, das man da sieht.

Verwaltung: der grösste Brocken

Und hier liegt aus meiner Sicht die grösste Umschichtung, über die am wenigsten geredet wird. Sachbearbeitung, Antragsprüfung, Bescheide, Rechnungsprüfung, Versicherungsfälle. Alles regelbasiert, alles textbasiert, alles digitalisierbar.

Die technischen Voraussetzungen sind zu einem Grossteil da. Es fehlt nur die Zusammenführung.

Handwerk: der Satz, den ich selbst korrigieren musste

Und jetzt der Punkt, an dem ich meine eigene Einschätzung revidieren musste, während ich diesen Artikel geschrieben habe.

Ich war der Meinung, Handwerk sei auf absehbare Zeit sicher. Die Begründung klang gut: Ein Altbau-Badezimmer ist für einen Roboter viel schwieriger als eine Fabrikhalle. Unbekannte Räume, schiefe Wände, Überraschungen hinter dem Putz.

Dann habe ich nachgesehen, was es tatsächlich schon gibt. Und die Liste hat mich umgestimmt.

  • Mauern: Der australische Roboter Hadrian X setzt bis zu 3.000 Ziegel am Tag und kann den Rohbau eines Hauses in etwa zwei Tagen hochziehen.
  • Fliesen: Es gibt Roboter, die nach digitalem Verlegeplan arbeiten und Fliesen selbstständig positionieren.
  • Bohren, Verputzen, Streichen: Für all das existieren Systeme im Praxiseinsatz, teils mit Wechselwerkzeugen auf einer Plattform.
  • Vorfertigung: Robotergefertigte Mauerwerkswände wurden in der Branche gerade als Produkt des Jahres 2026 ausgezeichnet.

Also: Doch. Handwerk kann ersetzt werden. Der Satz „das geht bei uns nicht“ hält nicht.

Was ich weiterhin für richtig halte, ist etwas anderes, und es ist nur ein Unterschied im Zeitpunkt, nicht in der Richtung: Der Neubau geht deutlich früher als die Sanierung. Ein Rohbau auf der grünen Wiese ist planbar, vermessbar, immer gleich. Eine Altbauwohnung von 1910 ist es nicht.

Und der eigentliche Engpass ist derzeit oft gar nicht die Technik. Es sind Zulassung, Haftung, Gewährleistung und die Frage, wer geradesteht, wenn die Maschine etwas falsch macht. Solche Hürden halten ein bis zwei Jahrzehnte. Sie halten nicht ewig.

Wer heute einen Handwerksbetrieb führt, hat also etwas mehr Zeit als ein Sachbearbeiter. Er hat keine Immunität.

Meine Zeitleiste

Jetzt der Teil, bei dem ich mich am weitesten aus dem Fenster lehne. Das hier sind Einschätzungen, keine Fakten. Ich schreibe sie trotzdem mit Jahreszahlen auf, weil eine Prognose ohne Datum wertlos ist. Man kann sie dann nämlich nie überprüfen.

2026 bis 2027: läuft bereits

  • Humanoide Roboter im Serienbetrieb in Fabrik und Logistik, nicht als Pilot
  • Erste Haushaltsroboter bei Privatkunden, teilweise ferngesteuert, eher Spielerei als Hilfe
  • KI-Werkzeuge sind in Kanzleien, Agenturen und Buchhaltung Standard
  • Selbstfahrende Taxis im Regelbetrieb in einzelnen Grossstädten
  • Erste Betriebe stellen Stellen nicht mehr nach, ohne es öffentlich zu begründen

2028 bis 2029: es wird sichtbar

  • Haushaltsroboter erledigen einfache Aufgaben autonom, Preis unter 15.000 Euro
  • Erste vollautomatische Restaurantküchen im Regelbetrieb, zuerst bei Ketten
  • KI-Erstbefund in der Bildgebung wird zum Normalfall, der Arzt bestätigt
  • Sachbearbeitung in Verwaltung und Versicherung deutlich ausgedünnt
  • Der Berufseinstieg in klassischen Bürojobs wird spürbar schwieriger
  • Die öffentliche Debatte beginnt ernsthaft, ausgelöst durch Zahlen, nicht durch Vorträge

2030 bis 2032: die Umschichtung

  • Roboter in Pflege und Betreuung für einfache körperliche Tätigkeiten
  • Leasingmodelle für Roboter sind für kleine Betriebe normal, wie heute ein Firmenwagen
  • Handwerk im Neubau wird breit erfasst: Rohbau, Fliesen, Putz, Standardinstallation
  • Ganze Abteilungen verschwinden nicht durch Kündigung, sondern durch Nichtnachbesetzung
  • Politisch wird über Arbeitszeit, Umverteilung und Grundsicherung anders diskutiert als heute

Ab 2033

  • Berufe, die heute selbstverständlich sind, existieren nicht mehr als Massenberuf
  • Der Wert menschlicher Arbeit verschiebt sich endgültig weg von Ausführung hin zu Verantwortung, Vertrauen und Beziehung

Ich rechne damit, dass mir bei dieser Liste dasselbe passiert wie 2017: dass ich zu langsam gedacht habe.

Warum die meisten das verdrängen

Wenn ich darüber rede, kommt fast immer eine von drei Antworten. Ich habe sie alle drei selbst schon benutzt.

„Das dauert doch noch ewig.“ Die Frist wird dabei zuverlässig so gesetzt, dass sie hinter dem eigenen Planungshorizont liegt. Bequem, aber die Zahlen sagen etwas anderes.

„In meinem Bereich geht das nicht.“ Das haben Übersetzer gesagt. Grafiker. Radiologen. Programmierer. Es kann sein, dass es für Dich stimmt. Es kann auch sein, dass Du Deinen Beruf für komplizierter hältst, als er von aussen aussieht.

„Da wird der Staat schon was machen.“ Vielleicht. Nur ist das keine Strategie, sondern eine Hoffnung.

Ich verstehe jede dieser Reaktionen. Sich vorzustellen, dass die eigene Arbeit ersetzbar sein könnte, ist unangenehm. Verdrängen ist die naheliegende Antwort. Es ist nur die einzige, die garantiert nicht hilft.

Und der Grund, warum es so leicht zu verdrängen ist: Es knallt nicht. Es rutscht. Zuerst verschwinden keine Berufe, sondern Aufgaben. Dann sinkt der Bedarf, wo zehn Leute standen, reichen sechs. Und erst danach fällt auf, dass eine Stelle nicht mehr besetzt wurde.

Leere Werkbank mit Werkzeug in einer hellen Werkstatt
Es knallt nicht. Es rutscht. Erst gehen Aufgaben, dann sinkt der Bedarf, dann wird nicht mehr nachbesetzt. (Bild: KI-generiert)

Was ich konkret tun würde

  1. Denk in Aufgaben, nicht in Berufen. Schreib eine Woche lang auf, was Du tatsächlich tust. Markiere jede Zeile: klar automatisierbar, schwierig, vermutlich nicht. Das Ergebnis ist unangenehm ehrlich und nützlicher als jede fremde Prognose.
  2. Verschiebe Dich Richtung Verantwortung. Automatisiert wird die Ausführung. Was bleibt, ist die Entscheidung, was überhaupt getan wird, und die Haftung dafür.
  3. Benutze die Werkzeuge selbst. Nicht lesen, was andere darüber schreiben. Mindestens eine Stunde pro Woche selbst arbeiten damit. Über KI kann man nicht mitreden, ohne mit ihr gearbeitet zu haben.
  4. Investiere in das, was Maschinen nicht können. Vertrauen aufbauen, verhandeln, trösten, Verantwortung tragen, wenn etwas schiefgeht. Warum genau das gerade verkümmert, habe ich im Artikel über soziale Bindung beschrieben. Das ist bitter und gleichzeitig eine riesige Chance.
  5. Als Unternehmer: rechne es einmal durch. Nicht um zu kaufen. Sondern um zu wissen, ab welchem Preis pro Einheit sich die Rechnung dreht. Wer diese Zahl kennt, wird nicht überrascht.
  6. Rede mit Deinen Kindern darüber. Ohne Angst zu machen. Aber eine Berufswahl von heute trifft auf eine Arbeitswelt, die es so nicht mehr geben wird.

Der erste Schritt für heute

Nimm ein Blatt Papier. Schreib die fünf Tätigkeiten auf, mit denen Du letzte Woche die meiste Zeit verbracht hast. Nicht Deinen Beruf. Fünf konkrete Tätigkeiten.

Und dann setz hinter jede eine Zahl: Wie viele Jahre gibst Du ihr, bis eine Maschine sie mindestens so gut kann wie Du?

Menschliche Hand und Roboterhand nebeneinander auf einer Werkbank
Fünf Zeilen, fünf Zahlen. Das ist Deine Aufgabe für die nächsten zwölf Monate. (Bild: KI-generiert)

Mehr nicht. Fünf Zeilen, fünf Zahlen.

Bei den meisten steht danach mindestens eine unangenehm kleine Zahl auf dem Papier. Genau die ist Deine Aufgabe für die nächsten zwölf Monate.

Wer das lieber verdrängen möchte, findet in meinem Artikel über Angst als Erfolgsblockade die Erklärung, warum das so verlockend ist.

Und dann ist da noch die grössere Frage

Es gibt einen Gedanken, der über all dem steht und den ich hier nur anreissen kann, weil er einen eigenen Artikel verdient.

Wenn Maschinen einen immer grösseren Teil der Arbeit übernehmen, dann verändert sich nicht nur der Arbeitsmarkt. Dann verändert sich, worauf unsere ganze Ordnung aufgebaut ist.

Elon Musk hat das in einem Interview mit dem Economist auf eine Formel gebracht, die zunächst absurd klingt:

Elon Musk im Economist-Interview: Geld werde in zehn Jahren keine Rolle mehr spielen.

Sein Argument dahinter ist gar nicht so abwegig. Geld ist im Kern ein Gegenwert für Arbeitskraft, Material und Ressourcen. Wenn Roboter und KI Güter zu einem Bruchteil der heutigen Kosten herstellen können, verschiebt sich diese Gleichung.

Ob es so kommt, weiss ich nicht. Ich bin da deutlich skeptischer als er, weil Knappheit sich erfahrungsgemäss verlagert statt zu verschwinden. Boden bleibt knapp. Energie bleibt knapp. Aufmerksamkeit bleibt knapp.

Aber die Frage dahinter ist die richtige, und sie geht weit über Wirtschaft hinaus:

Wie wollen wir eigentlich leben, wenn ein grosser Teil der Arbeit wegfällt?

Wir haben unser ganzes Selbstverständnis daran gehängt, was wir beruflich tun. Es ist die erste Frage, die man einem Fremden stellt. Wenn diese Antwort für viele Menschen wegbricht, ist das nicht nur ein wirtschaftliches Problem. Es ist eine Sinnfrage.

Dazu kommt eine zweite, die mir ebenso wichtig ist: Je digitaler alles wird, desto zentraler wird es steuerbar. Bezahlung, Identität, Mobilität, alles läuft zunehmend über Systeme, die sich aus der Ferne verwalten lassen. Das bringt Komfort und es bringt eine Form von Abhängigkeit, über die man reden sollte, solange die Weichen noch gestellt werden.

Beides hebe ich mir für einen eigenen Artikel auf. Hier ging es erst mal darum, den Boden zu klären.

1984 lässt grüssen

Und dann ist mir beim Schreiben etwas aufgefallen, das ich kaum glauben konnte.

1984 kam ein Film ins Kino, in dem Maschinen die Herrschaft übernehmen. Regie führte derselbe James Cameron, der heute im Verwaltungsrat eines KI-Unternehmens sitzt.

In der Geschichte wird ein Mann aus der Zukunft zurückgeschickt, um einen Menschen zu retten. Diese Zukunft, aus der er kommt, in der der Krieg zwischen Mensch und Maschine in vollem Gange ist, hat im Film eine Jahreszahl.

2029.

Das ist keine ferne Science-Fiction-Zukunft mehr. Das sind, von heute aus gerechnet, drei Jahre.

Ich will das ausdrücklich nicht überdehnen. Ein Actionfilm von 1984 ist keine Prognose, und wir bauen hier keine Skynet. Was mir daran auffällt, ist etwas anderes und für mich fast unheimlicher:

Damals wirkte 2029 wie eine Zahl aus einer anderen Welt. So weit weg, dass man sie beliebig mit Schrecken füllen konnte. Und jetzt sitzen wir hier, drei Jahre davor, und reden über Roboter, die in Fabriken arbeiten und in Wohnungen einziehen.

Nicht die Vorhersage war das Erstaunliche. Erstaunlich ist, wie schnell aus „irgendwann mal“ ein Datum im Kalender wird.

Übrigens ist der zweite Teil dieser Reihe einer der Filme, die mich als Jugendlicher am meisten geprägt haben. Ich habe darüber schon einmal geschrieben, in einem Artikel über Arnold Schwarzenegger und seine sechs Regeln des Erfolgs. Damals ging es mir um Disziplin. Dass ich denselben Film vierzig Jahre später aus diesem Blickwinkel betrachten würde, hätte ich nicht gedacht.

So schliesst sich der Kreis.

Was ich 2017 nicht wusste

Zurück zum Anfang.

Ich habe damals geschrieben, dass eine Welle auf uns zurollt und niemand vorbereitet ist. Richtung: richtig. Geschwindigkeit: deutlich zu gemütlich.

Ich vermute, dass mir das mit diesem Artikel wieder passiert. Dass ihn jemand 2029 liest und denkt: Der hat es kommen sehen, aber er hat es zu langsam eingeschätzt.

Deshalb der eine Satz, auf den es für mich hinausläuft:

Es geht nicht darum, die Zukunft richtig vorherzusagen. Es geht darum, nicht überrascht zu werden.

Wer mag, liest den Artikel von damals mit dem heutigen Wissen: Massive Veränderungen (Teil 1): So bereitest Du Dich darauf vor. Ich fand die Erfahrung lehrreich. Und ein bisschen unheimlich.

Häufig gestellte Fragen

Was sind die World Humanoid Robot Games?

Ein internationaler Wettbewerb für humanoide Roboter, der 2025 erstmals in Peking stattfand. Bei der zweiten Auflage vom 22. bis 26. August 2026 traten 2.056 Roboter aus 666 Teams und 16 Ländern in 51 Wettbewerben an. Neben Sportdisziplinen gibt es szenariobasierte Wettbewerbe aus Bereichen wie Haushalt, Hotel und Logistik.

Setzt BMW wirklich humanoide Roboter ein?

Ja. Im Werk Spartanburg arbeitet BMW mit Figure AI zusammen. Der Roboter Figure 02 war rund elf Monate im Karosseriebau im Einsatz und an der Fertigung von über 30.000 Fahrzeugen beteiligt. Seit Mitte 2026 übernimmt Figure 03 Sequenzierungsaufgaben in der Logistik.

Wann kommen Roboter in Privathaushalte?

Die ersten sind bereits bestellbar. Das Unternehmen 1X liefert den Haushaltsroboter Neo ab der zweiten Hälfte 2026 in den USA und Kanada aus, zu rund 20.000 Dollar oder etwa 500 Dollar monatlich. Die ersten Geräte arbeiten allerdings noch nicht vollständig autonom, sondern teilweise über Fernsteuerung.

Welche Berufe sind zuerst betroffen?

Zuerst verschwinden keine Berufe, sondern einzelne Aufgaben. Betroffen sind gut strukturierte, wiederholbare Tätigkeiten, sowohl am Schreibtisch als auch körperlich. Verwaltung, juristische Recherche, Standardtexte und gleichförmige Produktionsschritte stehen weit vorn.

Kann Handwerk durch Roboter ersetzt werden?

Ja. Es gibt bereits Maurerroboter, die bis zu 3.000 Ziegel am Tag setzen, Fliesenlegeroboter nach digitalem Verlegeplan sowie Systeme zum Bohren, Verputzen und Streichen. Robotergefertigte Mauerwerkswände wurden 2026 als Produkt des Jahres ausgezeichnet. Der Neubau ist dabei deutlich früher betroffen als die Altbausanierung, und die grösseren Bremsen sind derzeit Zulassung, Haftung und Gewährleistung, nicht die Technik.

Ist die Filmbranche von KI betroffen?

Ja, auf zwei sehr verschiedene Arten. James Cameron trat 2024 in den Verwaltungsrat von Stability AI ein, um die Kosten für visuelle Effekte zu halbieren, dabei aber ausdrücklich ohne Stellenabbau: dieselbe Mannschaft, doppelter Ausstoss. Für die Avatar-Filme hat er KI bei Schauspielern sogar untersagt. Darren Aronofsky ging mit seinem Studio Primordial Soup noch weiter und arbeitet mit Google DeepMind an KI-gestützten Filmen, der erste davon lief 2025 auf dem Tribeca Festival. Im August 2026 wurde mit „The Cully Hill Boys“ zudem der erste vollständig KI-generierte Spielfilm in Spielfilmlänge gezeigt, 110 Minuten bei rund zwei Millionen Dollar Budget. Parallel dazu entstehen durch Videogeneratoren Inhalte fast ohne Produktionskosten. Das trifft weniger die grossen Studios als kleine und mittlere Produktionsfirmen.

Werden Synchronsprecher durch KI ersetzt?

Technisch sind Stimmen inzwischen so gut generierbar, dass sie von echten kaum zu unterscheiden sind. Die deutsche Synchronbranche wehrt sich dagegen. Aufhalten lässt sich die Technik voraussichtlich nicht, regeln aber sehr wohl: Eine Stimme ist ein persönliches Merkmal wie ein Gesicht, und ob sie ohne Zustimmung kopiert werden darf, ist eine Rechtsfrage. Lizenzmodelle mit Vergütung sind bereits im Einsatz.

Welche Berufe bleiben am längsten?

Am längsten hält, was in unstrukturierter Umgebung stattfindet, ständig wechselnde Bedingungen hat und auf Vertrauen, Aushandlung und persönlicher Verantwortung beruht. Das ist allerdings eine Frage von Jahren, nicht von Jahrzehnten. Eine dauerhafte Ausnahme gibt es nach heutigem Stand für keinen Beruf.

Wird künstliche Intelligenz Anwälte ersetzen?

Den Beruf nicht, grosse Teile der Arbeit schon. Laut Branchenstudien nutzen inzwischen rund 92 Prozent der befragten Juristen mindestens ein KI-Werkzeug. Recherche, Vertragsanalyse und Schriftsatzentwürfe verlagern sich. Bewertung, Mandantenstrategie und Haftung bleiben beim Menschen. Betroffen ist vor allem die Einstiegsarbeit.

Wie viele humanoide Roboter werden derzeit gebaut?

Im ersten Halbjahr 2026 wurden weltweit rund 19.100 Einheiten ausgeliefert, über 97 Prozent davon aus chinesischer Produktion. Unitree kam bis Juli 2026 auf etwa 18.000 Roboter. Für das Gesamtjahr rechnet China mit über 100.000 Einheiten.

Was kostet ein humanoider Roboter?

Chinesische Hersteller haben die Materialkosten auf etwa 35.000 Euro gedrückt, westliche Anbieter liegen bei 90.000 bis 100.000 Euro. Für den Haushaltsbereich werden derzeit rund 20.000 Dollar aufgerufen. Der Preisverfall verläuft deutlich schneller als noch vor wenigen Jahren erwartet.

Ist das nicht alles übertrieben?

Die Gegenprobe lohnt sich: Roboter arbeiten im Serienbetrieb bei einem deutschen Autohersteller, Haushaltsgeräte sind bestellbar, die Produktion liegt im sechsstelligen Bereich, und über 2.000 Maschinen treten gerade in Peking gegeneinander an. Das sind laufende Vorgänge, keine Ankündigungen. Offen ist die Geschwindigkeit, nicht die Richtung.

Quellen

  • BMW Group: Pressemitteilungen zum Einsatz von Figure 02 und Figure 03 im Werk Spartanburg, 2024 bis 2026
  • World Humanoid Robot Games, Peking, 22. bis 26. August 2026: offizielle Teilnehmerzahlen und Wettbewerbsübersicht
  • Berichte zur chinesischen Robotikproduktion und zu den Auslieferungszahlen im ersten Halbjahr 2026
  • Unitree Robotics: Börsengang am STAR Market, August 2026
  • 1X Technologies: Vorbestellung und Auslieferungsplan für den Haushaltsroboter Neo
  • Future Ready Lawyer Study 2026 sowie Erhebungen zur KI-Nutzung in deutschen Kanzleien
  • Übersichten zu Baurobotik 2026: Hadrian X (FBR), Baubot MRS5 und MRS12, Fliesenlege- und Putzsysteme
  • James Cameron: Eintritt in den Verwaltungsrat von Stability AI, September 2024, sowie Interviews zu VFX-Kosten und zum KI-Einsatz in den Avatar-Filmen
  • Darren Aronofsky: Studio Primordial Soup, Partnerschaft mit Google DeepMind, Kurzfilm „Ancestra“ (Regie Eliza McNitt), Tribeca Festival Juni 2025
  • „The Cully Hill Boys“, erster abendfüllender KI-generierter Spielfilm, Higgsfield AI, Premiere New York am 5. August 2026
  • Eigener Artikel „Massive Veränderungen! So bereitest Du Dich darauf vor“, patrickflender.com, Januar 2017

Weiter mit Teil 3

Hier ging es darum, was passiert. Im dritten Teil geht es um die Frage, die mich mehr beschäftigt: was das mit uns macht. Warum Südkorea ein Blick in unsere Zukunft ist, ob Geld seine Rolle verliert, und wer Du bist, wenn Dein Beruf wegfällt.

Massive Veränderungen (Teil 3): Wenn Arbeit nicht mehr nötig ist

Und jetzt Du: Wie schätzt Du das ein? Hältst Du meine Zeitleiste für übertrieben oder für zu vorsichtig? Und die ehrliche Frage: Welche Zahl steht bei Dir hinter der ersten Zeile? Schreib es mir in die Kommentare. Ich lese jeden einzelnen, und bei diesem Thema interessiert mich Widerspruch besonders.

Patrick Flender

Ich bin Patrick Flender – Unternehmer, Investor und Speaker. Auf diesem Blog schreibe ich über zwei Dinge, die für mich zusammengehören: Mindset und Business. Über Fokus, Angst, Rückschläge und die Frage, warum wir uns selbst am häufigsten im Weg stehen – und über das Handwerk dahinter: Online-Marketing, Social Media, SEO und Vertrieb. Kein Motivations-Sprech und keine Abkürzungen, sondern das, was ich als Unternehmer selbst erlebt und gelernt habe. Hauptberuflich baue ich mit Flendermedia Software-, Automatisierungs- und KI-Lösungen für Unternehmen. Über verdeckten Narzissmus und toxische Beziehungen schreibe ich auf du-bist-nicht-verrueckt.de.

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